Wohntunnelwelt

Tunnel dienen zwei Zwecken: Entweder sie wollen verstecken, was nicht offen erwünscht ist, wie etwa Abwasser, Kabel oder auch einen geheimen (Flucht-) Weg. Oder sie dienen der Unterquerung, Unterführung, dem schnellen Durchqueren und Unterwinden eines wie auch immer gearteten Hindernisses – seien es Bahnschienen, eine Straße, ein Berg oder gar ein Meer. In der mittelalterlichen Stadt musste man ebenso einen tunnelartigen Bau durchqueren, um das Zentrum urbanen Lebens zu erreichen: Das Stadttor unter der die Stadt eingrenzenden Stadtmauer hindurch. Tunnel gehören schon lange zum Alltag unseres städtischen Lebens. Im Tunnel selbst befindlich – etwa in einem U-Bahn-Tunnel – sieht man nicht, was drum herum passiert, man hat lediglich einen Tunnel-Blick, sieht wenn überhaupt nur ein Licht am Ende des Tunnels. Tunnel sind unwirtlich, meist dreckig, feucht und laut, meist dunkel oder gar unheimlich, mit Angst beladen, da kein Fluchtweg vorhanden ist. In einem Tunnel möchte man nicht verweilen.

Ein solcher Tunnel ist die Bahn-Unterführung zwischen der Hermannshöhe und der Kreuzstraße in Bochum. Er ‚unterwindet’ eine 60 Meter breite Gleisanlage und verbindet dadurch das pulsierende Kneipenviertel Bermudadreieck sowie die Fußgängerzone mit dem als jugendlich, dynamisch und kreativ geltenden Wohnviertel des Ehrenfelds. Hoch frequentiert, allerdings lang, kalt, eng und dreckig macht diese neuralgische Unterführung auch immer wieder mit Raubüberfällen Schlagzeilen. Der Tunnel bleibt ein Angstraum.

Diesen Ort hat der „Stadtverwalter e.V. – Verein für Zwischennutzungskultur“ am 2. und 3. Juli 2011 künstlerisch-kulturell umgenutzt. Künstler und Kreative waren dazu aufgefordert, sich an der Tunnel-Ausstellung zum Thema Wohnen und Wohnlichkeit zu beteiligen und die Unterführung damit in einen Ort der Ruhe, Sicherheit Wärme und Kreativität umzuwidmen. Gemälde- und Foto-Ausstellungen, Rauminstallationen, Klang etc. – rund 3.000 Besucher besichtigten mit Begeisterung und großem Interesse die Aktion!